Da die Hitze zu Hause mit fast 40 Grad unerträglich war, wollte ich ziemlich hoch hinaus. Da für den Nachmittag Gewitter angesagt waren, musste ich mir eine gemütliche Tour aussuchen. Kurzfristig entschied ich mich für den Pizzo Centrale. Doch manchmal, wenn man eine Tour spontan ändert und die Hausaufgaben für den Gipfel nicht bis ins kleinste Detail macht, kann es passieren, dass man sein Ziel nicht erreicht.
27. Juni 2026
Am Gotthardpass starte ich bei herrlich kühlen Temperaturen und marschiere zügig Richtung Lago della Sella.
Ich folge der Militärstrasse, die sich vom Pass bis zum Stausee hinzieht.
Weiter geht es zur Abzweigung auf den blau-weiss markierten Weg, der zum Gloggentürmli führt.
Ich weiss, dass zum Pizzo Centrale vereinzelt Wegspuren vorhanden sind. Zunächst muss ich der Route zum Gloggentürmli folgen und später einen Abzweiger nehmen. Schnell merke ich jedoch, dass ich hier keinen Handyempfang habe und deshalb die Karte in der App nicht aufrufen kann, um nachzuschauen, wo sich die Verzweigung befindet.
Hm, scheisse... Ich habe meine Hausaufgaben zu Hause nicht gut gemacht. Nun muss ich nach Wegspuren und Steinmännchen Ausschau halten. Doch ich sehe überhaupt nichts. Ich weiss auch nicht, auf welcher Höhe sich der Abzweiger befindet.
Ich entscheide mich deshalb rasch, den Pizzo Centrale heute sein zu lassen. Also geht es weiter zum Gloggentürmli.
Weiter geht's...
Die Grashänge sind steil, aber gut zu begehen. Gegen oben wird das Gelände zunehmend steiniger, bis es beim Gloggentürmli nur noch aus Felsen besteht.
Ich bewundere die markanten Felszacken des Gloggentürmli.
Jetzt habe ich wieder Internetempfang und kann die Karte studieren. Dabei sehe ich, dass vom Gloggentürmli eine Gratroute über felsiges Gelände mit einigen namenlosen Gipfeln verläuft. Sie ist zwar nicht markiert, weist aber teilweise Wegspuren auf.
Ich entscheide mich weiterzugehen und einfach einmal zu schauen, was mich erwartet!
Ich folge dem Grat über Pt. 2728 zum Sellabödeli. Wieder wartet unterwegs ein Highlight auf mich: Steinböcke, die die ersten Sonnenstrahlen geniessen.
Ich erschrecke mich allerdings ziemlich, als die Steinböcke etwas oberhalb von mir plötzlich pfeifen.
Der Aufstieg ist unschwierig. Vom Sellabödeli steige ich weiter zum Sattel ab, der aus lauter Steinplatten besteht.
Dieser Abschnitt ist zwar technisch einfach, kostet aber enorm viel Kraft und Zeit. Anschliessend gilt es, das Tritthorn zu erkraxeln.
Die Aufstiegsroute ist heikel, deshalb lasse ich mir genügend Zeit. Den unteren Teil empfinde ich als anspruchsvoller als den oberen. Das liegt allerdings auch daran, dass ich die Wegspuren nicht erkenne und praktisch schnurgerade aufsteige.
Kurz nach 11.00 Uhr erreiche ich den Vorgipfel des Tritthorns.
Irgendwie sehe ich keine Steinmännchen mehr und kann auch den weiteren Routenverlauf nicht erkennen. Jetzt muss ich entscheiden, ob ich umkehre oder noch etwas herumklettere, um die richtige Route zu finden.
Da für etwa 16.00 Uhr Gewitter angekündigt sind, entscheide ich mich schliesslich umzudrehen. Die Vernunft siegt!
Nach einer Stärkung beginne ich den Abstieg. Ich nehme denselben Weg zurück, auf dem ich aufgestiegen bin. Das Blockgelände ist sehr anstrengend zu begehen, weshalb ich später froh bin, wieder auf dem Wanderweg zu sein. Schliesslich folge ich dem Aufstiegsweg zurück zum Gotthardpass.
Diese Stelle finde ich beim Abstieg natürlich sofort – genau jene, die ich am Morgen verpasst hatte.
Nachdem ich wieder Internetempfang hatte, konnte ich auf der Karte sehen, dass sich der Abzweig bei Punkt 2472 befindet.
Schwierigkeiten:
• Auf- und Abstieg Gloggentürmli: T3
• Grat bis Tritthorn und zurück: T4
Daten

Fazit:
Obwohl ich den Pizzo Centrale nicht erreicht habe, war es eine sensationelle Tour. Das Gloggentürmli, die Steinböcke und der lange Grat durch das Blockgelände machten die Wanderung zu einem unvergesslichen Erlebnis.