Die Schwalmere war mein heutiges Gipfelziel. Doch auf dieser Tour ist der Gipfel mit seinen unzähligen Schiefersteinen gar nicht die Hauptattraktion – unterwegs gibt es noch viel Einzigartiges zu entdecken.

10. August 2025
Mit dem Auto fahre ich bis Isenfluh auf 1161 m ü. M., danach geht es mit der Seilbahn hinauf nach Sulwald auf 1520 m ü. M.
Von dort führt der Weg idyllisch durch den Wald. Nach und nach wird es steiler – und die Hitze macht sich ebenfalls bemerkbar.

Ich denke mir: Vielleicht hätte ich mir heute doch ein höheres Gipfelziel aussuchen sollen – es ist extrem heiss.
Nach etwa einer Stunde erreiche ich die Baumgrenze und steige über Wiesen und Grasflächen via Chüebodmi auf die Suls. Der Pfad wird von einem kleinen Bach begleitet.

Auf der Suls steht eine kleine Käserei mit einem Brunnen. Vor dem Brunnen geht es links über eine Holzbrücke.
In meinen Tourennotizen stand: Unbedingt über die Holzbrücke und nicht den Pfadspuren hinauf folgen!

Nun steige ich über Grashänge, undeutliche Pfadspuren und teilweise verwirrende Trittspuren weiter bergauf.
Plötzlich habe ich die Markierungen verloren – und stehe mitten in einem hartnäckigen Sumpf. Ungefährlich, aber unglaublich mühsam. Ich sehe keinen Weg mehr.
Also sage ich mir: Egal – weiter oben steht ein Hof, da muss ich hinauf.
Bei Sausegg auf 2150 m bin ich wieder auf dem richtigen Weg. Der Pfad führt nun über weite Wiesen und Grashalden.

Der Weg wird zunehmend steiler und steiniger. Von weitem erkenne ich die mächtigen Lobhörner.
Der Pfad zieht sich steil hinauf; in südlicher Richtung umgehe ich die Felszacken auf der linken Seite.
Hier treffe ich auf einige Bergkletterer.

Die nächste Passage ist etwas heikel – stellenweise ausgesetzt, und ein Ausrutscher wäre fatal.
Ich würde sie mit T4 bewerten. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier absolute Voraussetzung.

Bald stehe ich auf einem kleinen Pass zwischen den beiden markanten Lobhörnern.
Was für eine Kulisse! Es ist kaum zu beschreiben, wie schön es hier ist.
Die beiden Hörner zeigen mir einmal mehr, welch grandiose Orte die Schweiz zu bieten hat.
Ich quere das steinige Gelände und steige über grasige Steilstufen hinauf auf das kleine Lobhorn.

Nach gut zehn Minuten stehe ich oben – das kleine Lobhorn ist zwar unmarkiert, doch eine Spur ist vorhanden.
Die Aussicht ist grossartig: das grosse Lobhorn direkt vor mir und eindrückliche Tiefblicke rundum.
Nach einer kurzen Pause geht’s weiter – mein eigentliches Ziel, die Schwalmere, wartet.

Unglücklicherweise führt der Weg nach der südlichen Umgehung der Lobhörner etwa 200 Höhenmeter hinunter, bevor er wieder zur Schwalmere ansteigt.
Ein schmaler Graspfad leitet mich auf rund 2300 m ü. M. hinunter – nun ist der Weg kaum mehr zu verfehlen.
Ich folge ihm über grasige Hänge hinauf zur Schotterflanke der Schwalmere.
Auch hier ist guter Orientierungssinn gefragt.
Bei Punkt 2674, unterhalb des Sattels, liegt ein grösseres Schneefeld, dessen Querung problemlos gelingt.
Vor mir liegen die letzten knapp 200 hm über den Schutthang zum Gipfel.

Am Pass angekommen, trenne ich mich kurz von der Hauptroute – rechts liegt die Schwalmere, links das Hoganthorn, das ich ebenfalls besteigen möchte.
Es gibt keinen Weg, keine Markierungen – ich wähle die Route nach Gefühl.
Direkt über die Felsen steige ich hinauf. Die Hände sind im Einsatz, und ich klettere frei durch das Gelände.
Manchmal ist meine Route nicht gerade optimal, doch die Felsen bieten guten Halt.
Es macht Spass, im weglosen Gelände zu klettern.
Kurze Zeit später stehe ich oben – umgeben von Stein auf Stein. Hauptsache, ich bin oben, sage ich mir lachend, bevor ich wieder zum Pass absteige.

Nun folgt der finale Aufstieg zur Schwalmere.
Der Hang sieht steil aus – und das ist er auch.
Zuerst winden sich Serpentinen durch die Flanke, dann geht es direkt den eindrücklichen Berghang hinauf.
Meine Kräfte lassen langsam nach, doch nach rund 25 Minuten stehe ich am Ziel.

Die Aussicht auf 2777 m ü. M. ist grandios – Eiger, Mönch und Jungfrau präsentieren sich in voller Pracht. Nach einer langen Pause trete ich den Rückweg an. Ich liebe dieses Gefühl, wenn es nach dem Gipfel „nur noch“ bergab geht – wobei ich weiss, dass noch ein Gegenanstieg von rund 200 hm wartet. Wie erwartet, ist dieser Abschnitt kräfteraubend. Doch irgendwann ist auch das geschafft, und ich kann endlich nur noch absteigen. Unten am Bach gönne ich meinen Füssen ein eiskaltes Bad – herrlich! Frische Socken anziehen und weiter: noch eine Stunde bis zur Bergbahn.

Schwierigkeiten:
- Sulwald – Lobhornumrandung – Kleines Lobhorn: T3
- Kleines Lobhorn – Pass 2674 m ü. M. – Schwalmere: T3+
- Pass 2674 m ü. M. – Hoganthorn (Hin- und Rückweg): T5
Bemerkung:
Lange Tour mit vielen Höhenmetern, aber ohne grössere technische Schwierigkeiten.
Einige Geröllpassagen erfordern sicheres Gehen im losen Gestein.
Kraxelei am Hoganthorn – je nach Routenwahl zwischen T4 und T5.
Ansonsten markierte Route im Bereich T3, eine kurze Stelle T4.
Zeiten:
- Sulwald – Lobhornumrandung – Kleines Lobhorn: ca. 3 Std.
- Kleines Lobhorn – Hoganthorn – Schwalmere: ca. 3 Std.
- Schwalmere – Lobhornumrandung – Sulwald: ca. 3 Std.
Höhenmeter
- Aufstieg: 1750 hm
- Abstieg: 1500 hm