Das Albristhorn besitzt einen Doppelgipfel. Der markantere der beiden wird durch drei Gipfelgrate gebildet: den Südgrat, den Ostgrat und den Nordwestgrat.

20. September 2025
Früh morgens komme ich mit dem Auto in Adelboden an. Doch oh Schreck: keine Parkplätze mehr, eine Veranstaltung ist im Gange. Das hatte ich nicht auf dem Schirm. Und nun? Unglaublich – ich finde tatsächlich wahrscheinlich den letzten Parkplatz in ganz Adelboden. Glück gehabt! Weiter geht’s mit Bus und Gondelbahn hinauf zum Hahnenmoos-
pass. Jetzt wird mir klar: Die Veranstaltung ist das Wildstrubel-Bergrennen. Und ich starte meine Tour.
Von der Bergstation folge ich dem Wegweiser Richtung Tierberg. Gleich zu Beginn steigt der Wanderweg in steilen Serpentinen hinauf zur Station Lavey, die schon von weitem sichtbar ist. Hier geniesse ich die erste tolle Aussicht. Weiter geht es über den Laveygrat – und das in der Septemberhitze. Verrückt, wie warm es ist! Und zugleich eigenartig, diese Einsamkeit in den Bergen im Herbst, ohne meine Lieblings-Begleiter, die leider schon ins Tal mussten.

Der Weg wird zunehmend schmaler und ist stellenweise etwas ausgesetzt – volle Konzentration ist gefragt.
Am Tierberg angekommen folge ich dem Grat weiter zum Seewlehore. Die Wanderung wird nun zur Alpinwanderung: kurzer Abstieg, Gegenanstieg, die Markierungen wechseln auf blau-weiss. Das Gelände wird steiniger und felsiger –
für mich natürlich viel attraktiver.

Das Seewlehore ist erreicht. Ich gehe direkt weiter, der gesamte Weg bis zum Gipfel des Albristhorn liegt vor mir.
Der Gratweg ist hier noch einfach. Beim steilen Aufstieg sehe ich ein Gipfelkreuz – doch es ist nicht das Albristhorn, das liegt gegenüber. Trotzdem steige ich hinauf. Auf der Karte finde ich keinen Namen für diesen Gipfel.

Die letzten Meter ab dem Übergang sind nicht mehr markiert, führen aber einfach über grössere Felsblöcke.
Oben schaue ich mir das Kreuz an – ein Gipfelbuch gibt es nicht. Eine seltsame Sache. Vielleicht ist es nur ein Vorgipfel.

Ich gehe zurück zum Übergang mit den Markierungen. Ab hier sollte es spannend werden – wenn meine Recherchen zur Tour stimmen.
Der Grat geht im ständigen Auf und Ab weiter, zunehmend ausgesetzt – T4-Gelände. Ich brauche die Hände, es darf gekraxelt werden. An einigen Stellen ist viel Kraft in Beinen und Armen nötig. Nicht immer wähle ich die vorteilhafteste Route – aber ehrlich gesagt, ich liebe es, herumzuturnen und auch mal eine mühsamere Variante zu probieren. Wichtig ist, im felsigen Gelände den eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Es macht extrem Spass, doch irgendwann ist auch das vorbei.

Der Weg wird wieder leichter Gehgelände, aber weiterhin steil. Ich steige die letzten Meter hinauf, direkt dem Gipfelkreuz entgegen.

Oben angekommen! Die Aussicht – einfach Wahnsinn, in alle Richtungen. Aber der Blick zum Gsür hinüber: atemberaubend! Ich kann nicht anders, ich muss diesen eleganten Gipfel bestaunen. Anspruchsvoll, hochalpin – da muss ich demnächst rauf.

Der Abstieg führt über den Ostgrat, teils weglos, dann in der Nordflanke hinunter zum Hempliger und Furggeli
(2387 m). Von dort auf gutem Pfad in die Südflanke hinab bis nach Adelboden.

Schwierigkeiten:
• Hahnenmoospass – Laveygrat – Tierberg: T3
• Tierberg – Seewlehore – Albristhorn – Furggeli: T4
• Furggeli – Adelboden: T3
Zum Teil ausgesetzte Stellen. Im T4-Gelände ist etwas Kraxelgeschick nötig. Fast die gesamte Tour verläuft auf dem Grat – Erfahrung auf Grattouren ist daher Voraussetzung.

Zeiten:
- Hahnenmoospass – Tierberg – Seewlehore – Albristhorn: 4 Std.
- Albristhorn – Furggeli – Adelboden Dorf: 4 Std.
Höhenmeter:
Aufstieg: 1000 hm
Abstieg: 1500 hm