Ich vermisse das Kraxeln im alpinen Gelände! Deshalb geht es heute auf das Balmfluechöpfli über den Hornpfad und weiter durch verschiedene Waldgrate mit zwei schönen Übergängen nach Balsthal.
Als Erstes fahre ich mit dem Zug nach Oberdorf im Kanton Solothurn. Meine Tour beginnt bei der Talstation der Weissensteinbahn.
Die erste Stunde ist gemütlich durch den Wald, mit kaum nennenswerten Höhenmetern.
Im SAC-Tourenportal habe ich gelesen, dass es eine alpine Route auf das Balmfluechöpfli gibt. Für mich war sofort klar, dass ich über diese Route hinauf muss.
Bis zu einem grossen Stein bei Punkt 699 m verläuft noch ein Wanderweg, dort endet er, und es geht ins alpine Gelände.
Der Hornpfad, auch BruKa Trail genannt, ist sozusagen der direkte Weg durch die Südflanke auf das Balmfluechöpfli.
Nun immer den diversen Steinmännchen sowie roten Stoffbändchen direkt hinauf folgen. Der Weg führt mich, wenn möglich, über Felsen und möglichst wenig über Waldboden. Es gibt eine kleine Leiter und ein Seil, mit denen ich gut hinaufkomme. Die Schwierigkeit ist moderat im Bereich T3–T4.
Später führt mich der Pfad leicht nach rechts zur ersten „Wand“. Diese kann als T4+ bewertet werden und ist mit einem Knotenseil gesichert (ca. 10 m hoch). Sie lässt sich problemlos erkraxeln. Die Wand ist nicht senkrecht, sondern einfach sehr steil.
Es macht enorm viel Spass!
Die zweite „Wand“ ist etwa 12 m hoch, ebenfalls nicht senkrecht und mit Ketten und Eisenbügeln ausgestattet. Auch hier würde ich nicht über T4+ gehen. Überall gibt es gute Tritte und Griffe. An einer Stelle merke ich, dass ich etwas zu weit rechts gegangen bin, was ziemlich mühsam ist.
Nun geht es nochmals steil hinauf über Waldboden und Fels. Mein Spürsinn ist gefragt, denn die Route ist schwer zu erkennen, und ich sehe den weiteren Weg nicht.
Ich gehe zurück zum letzten Steinmännchen und schnaufe erst einmal durch. Dann schaue ich mir die Situation in Ruhe an und überlege, wo es weitergehen könnte. Ich werfe nochmals einen Blick auf die Karte.
Mein Gefühl sagt mir: direkt den Felsen hinauf, nicht seitlich ausweichen.
Alles richtig gemacht! Die letzten Meter kann ich die Route wieder gut erkennen. Noch ein kleines Couloir hinauf, und ich stehe auf dem Gipfel des Balmfluechöpfli.
Schöne Aussicht hier oben. Ich geniesse das Ambiente und bin voller Glücksgefühle. Wie genial ist bitte dieser Hornpfad? Das war Kraxelspass vom Feinsten!
Der Abstieg erfolgt auf Wanderwegen, danach wieder ein kurzer Aufstieg zur Röti über eine unmarkierte Wegspur.
Der Jura-Höhenweg:
Die Röti ist ein absolut spektakulärer Aussichtspunkt mit 360-Grad-Rundsicht, ein echtes Highlight im Jura.
Über den neu gekennzeichneten Röti-Steig gehe ich in moderater Steilheit hinunter zum Balmberg.
Es lohnt sich, auf dem Jura-Höhenweg die Wannenflue mitzunehmen.
Der Weg führt bis zum höchsten Punkt der Wannenflue durch schöne Waldpassagen und bietet sagenhafte Tiefblicke.
Nach der Wannenflue gibt es etwas zu knabbern im Niederwiler Stierenberg. Ein Hobelkäse-Teller später bin ich wieder voller Energie und zuversichtlich, die nächsten 15 km zu meistern.
Für mich unverständlich führt der Jura-Höhenweg durch das Gschliff zum Höchchrütz. Zwar auch schön, besonders als Kettenzustieg oder Abstieg, aber die Höhe würde man doch lieber auf der spektakulären Chambenflüe halten.
Was ich selbstverständlich mache! Und die Aussicht hier oben ist spektakulär.
Ich nehme den Höhenweg über den ersten Teil des Schattenbergs noch mit, bevor er bei der Bättlerchuchi wieder abbiegt.
Der gesamte Schattenberg zieht sich endlos dahin und es geht ewig geradeaus, ziemlich langweilig und kräfteraubend. Aber irgendwann ist auch das geschafft.
Der letzte Aufstieg aufs Hällchöpfli ist am Schluss recht steil und etwas gar intensiv gesichert.
Ich schaue mir kurz den Aussichtspunkt an.
Danach geht es weiter hinunter nach Balsthal: zuerst noch ein schöner Waldabstieg, danach über Bergstrassen und Forstwege.
Am Bahnhof angekommen, bin ich froh, die Tour geschafft zu haben.

Schwierigkeiten:
Balmfluechöpfli: T4 bis T4+
Röti, Balmberg: T2
Wannenflue – Chambenflüe: T3
Hällchöpfli – Balsthal: T2
Daten:
Distanz: 28.7 km
Höhenmeter: 1510 m ↑ / 1688 m ↓
Zeit: 10 Stunden reine Gehzeit
Fazit
Eine super Tour: Der erste Teil begeistert mit felsigen Kraxelpassagen, der zweite Teil am Jura-Höhenweg mit schönen Waldabschnitten und tollen Einkehrmöglichkeiten.
Die Schwierigkeiten reichen von hoch bis moderat. Eine Tour, die im Jura wirklich alles zu bieten hat.