Chuenihorn (2412 m.ü.M) - Zwischen Frühling und Winter

25. Dezember 2025


Der Gipfel des Chuenihorns hatte ich auf der anderen Talseite schon mehrfach angeschaut. Da ich schon sehr oft in dieser Region war, habe ich mich entschieden, einmal auf dieser Seite auf Bergtour zu gehen. Da ich überhaupt keine Lust auf Schneeschuhe und Winter habe, musste ich einen Gipfel auswählen, der ziemlich sonnig gelegen ist.
Für heute sage ich mir: Hauptsache in der Natur.
Meine Idee ist, eine Tour mit wenig Schnee und ohne Schneeschuhe zu gehen, eventuell ohne Gipfelerfolg.


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Bei meiner Ankunft auf dem Parkplatz in St. Antönien Platz zeigt sich das Wetter zu meiner Freude von seiner besten Seite, keine Wolke weit und breit. Ich gehe zuerst entlang des Wanderwegs Richtung Aschüel. Bei den Häusern von Bord steige ich direkt in der Falllinie nach oben. Es geht ordentlich steil den Berg hinauf.


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Die sonnenzugewandte Seite ist ziemlich schneefrei, auf der Schattenseite liegt jedoch noch massig Schnee, welcher zu meiner Überraschung sehr hart gefroren ist. Die herrschenden Bedingungen sind abenteuerlich. Unten zu wenig Schnee für Schneeschuhe, aber weiter oben hat es wohl zu viel Schnee ohne Schneeschuhe. Allmählich hat es immer mehr Schnee, vielleicht wären die Schneeschuhe doch sinnvoll gewesen. Aber manchmal hat man einfach keine Lust auf diese Dinger.


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Beim Betrachten der Südflanke sehe ich, dass es wohl schwierig wird, meinen Weg durch das Labyrinth der Lawinenverbauungen zu bahnen, ohne grössere Schneefelder zu queren. Ich beschliesse, zuerst dem Strässchen Richtung Bärgli zu folgen und kurz danach auf den Südostgrat zu wechseln, denn dieser sieht einigermassen schneereich aus, aber mit guten Spuren.


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Da mein Ziel heute eigentlich nicht der Gipfel ist, denke ich mir immer, ich gehe noch ein wenig weiter, bis ich genug habe. Das grosse Problem ist jedoch, dass ich im Kopf trotzdem auf den Gipfel will.

EINMAL BERGSTEIGER = IMMER BERGSTEIGER

Für mich ist jede Tour mit dem Gipfel verbunden, ohne Gipfel stimmt für mich etwas nicht und ich bin total genervt. Natürlich denke ich nur so, wenn die Verhältnisse auch stimmen. Heute bin ich gar nicht motiviert und ich sagte mir: Hauptsache in die Natur. Aber der Gipfel zieht mich doch immer an.


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Der Gang mit den Winterstiefeln ist jedoch äusserst mühsam, denn im weichen Pulverschnee sinke ich oft bis über die Knie ein. Auf dem Südostgrat geht es weiter Richtung Gipfel. Am Schluss, oberhalb der Südflanke, merke ich, dass die vorangegangenen Berggänger abgebrochen haben. Sie sind entlang der Route völlig falsch aufgestiegen und haben danach aufgegeben. Man sollte schon wissen, was man tut, die Route studieren und nicht einfach drauflos auf eine Bergtour gehen, ohne Kenntnisse und Informationen. Für mich ist die Routenwahl logisch und einfach. Dementsprechend kurz über die Flanke und schon bin ich am Gipfel im tiefen Schnee.


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Nach einer kurzen Gipfelpause mache ich mich wieder an den Abstieg. Ich folge dem Südostgrat und gehe danach bei der Lawinenverbauung hinunter zum Sitzplatz beim Bärgli, wo ich eine etwas längere Rast mache.


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Danach nehme ich die Spuren und den Weg des Aufstiegs.


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Daten:

  • Schwierigkeit: Wintertour T3
  • Ausrüstung: Winterschuhe
  • Zeit: 7 Std.
  • Höhenmeter: ⬆️1000 ⬇️1000
  • Gipfel: Chuenihorn