Monte del Forno 3213 m.ü.M - im Herzen des Bergells

Der Gipfel liegt im Bergell, Kanton Graubünden, an der Grenze Schweiz / Italien.
Schon mehrfach habe ich den Gipfel studiert.
Die grosse Frage war stets: Mit Hüttenübernachtung oder Gewaltmarsch an einem Tag?
Am 23. Juni 2023 war es endlich so weit.


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Vom Malojapass zum Lägh da Cavloc – in der Einsamkeit der frühen Morgenstunden ist es ein gemütliches Einlaufen. Bis Pian Canin bleibt der Weg bequem, wo sich das Tal verzweigt. Heute treffe ich – abgesehen von den Kühen – niemanden. Aber ehrlich gesagt, sind mir diese Zeitgenossen sowieso die liebsten. MUUUUHHH!
Der Weg führt bis zum Abzweig zur Capanna da l’Albigna immer rechts am Bach entlang, in leichtem Auf und Ab. Kurz danach überquere ich eine Brücke – ab hier steigt es deutlich steiler an. Durch zunehmend verfestigtes Moränengelände geht es weiter die Flanke hinauf und zuletzt an schönen Felsformationen vorbei bis zur Hütte.


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Nach rund vier Stunden Hüttenaufstieg erreiche ich die Fornohütte. Ich geniesse den Hüttenbesuch kurz – und ziehe weiter.


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Der weitere Aufstieg zur Sella del Forno führt weitgehend durch Blockfelder – gleich zu Beginn wartet die erste Kletterstelle. Im weiteren Verlauf wechseln sich kurze Kletterstellen, Blockgelände und Schotterpassagen ab – sehr abwechslungsreich. Über den Gratkamm geht es weiter, danach quere ich in die Südflanke des Monte del Forno hinauf, bis zu einer Felspartie, die mit Hilfe von Stahlketten recht exponiert, aber gut gesichert überwunden wird.


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Die Route bleibt gut markiert durch Blockgelände bis an die Felswand. Dort beginnt der kettenversicherte Steig. Mit den neuen Ketten geht es steil und ausgesetzt hinauf. Nach meiner Einschätzung gibt es zwei etwas schwierigere Stellen (T5): weitere Abstände zwischen den Tritten, dafür aber griffiger Fels – so dass das Hochklettern richtig Spass macht.


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Nach wenigen Minuten wird es weniger ausgesetzt. Über einen Kamin geht es weiter hinauf, bevor das Gelände in den obersten zehn Minuten merklich abflacht und in normales Gehgelände übergeht.


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Ich frage mich schon, wo das Gipfelkreuz bleibt – und da ist es! Nur noch ein paar Schritte, und ich stehe oben.
NACH FAST SIEBEN STUNDEN AUFSTIEG – ENDLICH DAS KREUZ IN SICHTWEITE – GRANDIOS!


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Die Aussicht am Gipfel ist leider durch Quellwolken etwas eingeschränkt. So trete ich nach einer kurzen Pause den Abstieg an. Auch die steileren Passagen (insbesondere die Kettenstelle) sind dank des griffigen Felses auch bergab gut machbar.
Der Abstieg folgt der gleichen Route – entsprechend habe ich mir den Weg gut eingeprägt und kann ihn nun richtig geniessen.


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Schwierigkeiten:
Im obersten Teil gibt es klettersteigähnliche Passagen. Alpinwandertechnisch unsichere Berggängerinnen und -gänger sollten einen Sitzgurt mit Kurzseil oder ein Klettersteigset mitnehmen.
Mässige Steinschlaggefahr im Schlussabschnitt.
Die Schwierigkeit im hochalpinen Gelände (T5) muss ab der Hütte bis zum Gipfel beherrscht werden.
Als Tagestour verlangt die Route sehr gute Kondition und Erfahrung mit langen Bergtouren.

• Auf- und Abstieg Fornohütte: T3
• Auf- und Abstieg Monte del Forno ab Hütte: T5


Route:
Malojapass – Fornohütte: ca. 4 Std.
Fornohütte – Monte del Forno: ca. 3 Std.
Monte del Forno – Fornohütte – Malojapass: ca. 5 Std.

Gesamtzeit: 11–12 Std.
Distanz: 27 km
Höhenmeter: Aufstieg 1700 hm, Abstieg 1700 hm