Der Gipfel der Schesaplana liegt auf der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz und ist gleichzeitig der höchste Punkt im Rätikon. Ein besonderer Hingucker ist natürlich der Lünersee – die türkis-blaue Perle des Rätikons – die auf fast der gesamten Tour immer wieder zum Staunen einlädt.

Mit der ersten Bahn geht es um 8:00 Uhr hinauf zum Lünersee. Ich mache mich auf den Weg in Richtung Totalphütte. Schon nach wenigen Minuten bin ich in der prallen Sonne unterwegs – die heute Morgen sehr intensiv ist, da es im Tal über 30 Grad geben soll.

Der schöne Hüttenweg zweigt nach einer Weile in den Hang unterhalb des Seekopfs ab und führt in angenehmer Steigung über schöne Schottersteige bergauf. Nach einiger Zeit erreiche ich die Totalphütte auf 2.381 m ü. M. – ich gehe aber direkt vorbei, ohne Pause. Einkehren werde ich nach dem Gipfelerfolg, vielleicht gibt es ja mein Lieblingsessen?

Von der Hütte aus schlendere ich noch kurz durch eine kleine Ebene, bevor es zunehmend steiler wird. Der Fels wechselt sich mit Schotter ab. Bei diesen trockenen Bedingungen ist die Route nirgends wirklich schwierig, aber Trittsicherheit ist dennoch gefragt. Hier und da sind Drahtseile angebracht – und manchmal sind die Steine, über die ich kraxeln muss, ein wenig glatt.

Mit zunehmender Höhe wird die Aussicht immer beeindruckender – und die Temperaturen endlich angenehmer. Serpentine reiht sich an Serpentine, und bald stehe ich unterhalb der Gipfelmulde mit ihren interessanten Gesteinsschichten. Standardwert für die Temperaturabnahme in der Höhe: ca. 0,65 °C pro 100 Höhenmeter.

Eine felsige Rinne muss ich noch hinauf, danach folgt eine Querung zur Schweizer Grenze – ein Seil hilft dabei, nicht abzurutschen.


Von dort aus bin ich in wenigen Minuten beim imposanten Gipfelkreuz. Von weiter unten sahen die letzten Meter viel steiler aus, als sie tatsächlich sind.


Geschafft! Was für eine Kulisse! Tief unten glitzert der Lünersee, und die 360°-Rundumsicht ist einmal mehr faszinierend. Der kühle Nordwind ist wunderbar erfrischend – und trotzdem ist es auf fast 3.000 Metern immer noch erstaunlich warm. Ich lasse den Blick über die Felsen der Drusenfluh und die Drei Türme schweifen – unglaublich, da muss ich bald auch mal rauf!

Nun geht es im Eiltempo zurück zur Totalphütte – ich habe Hunger auf österreichische Spezialitäten.
Mein Wunsch wird erfüllt: Knödelsuppe!
Weniger als eine Stunde später bin ich wieder zurück bei der Bergbahn. Die Temperaturen sind hier unten extrem warm – ich nutze jeden Schatten. Und denke mir: Wie angenehm kühl es doch am Gipfel war!

Schwierigkeiten:
Die Hitze darf auch in der Höhe nicht unterschätzt werden.
Bei der Bergbahn ist die Tour als „für geübte Berggänger“ angegeben.
Die gesamte Route ist mit T3 bewertet – stellenweise sind die Hände erforderlich.
Bei der letzten Querung vor der Schweizer Grenze ist Trittsicherheit besonders wichtig, da das Geröll steil und rutschig den Hang hinunterfällt.
Route:
Aufstieg: Lünersee – Totalphütte – Schesaplana: 3,5 Std., T3
Abstieg: Schesaplana – Totalphütte – Lünersee: 2,5 Std., T3
Gesamtzeit: 6 Std.
Gesamtaufstieg: 1.000 Hm
Gesamtabstieg: 1.000 Hm
Distanz: 10,3 km