Der idyllische Arnisee allein ist schon eine Reise wert.
Die dahinterliegenden Berge bieten jedoch einige spannende Touren. So habe ich mir an diesem sonnigen Sommertag die Rundtour über den Ruchälplistock, den Jakobiger und zur Leutschachhütte im Kanton Uri ausgesucht. Die technischen Schwierigkeiten sollten für mich gut machbar sein.
Tour vom 5. August 2020

Nun aber der Reihe nach:
Die ersten Höhenmeter zum Arnisee lege ich bequem mit der Gondel zurück.
Nach der Bergstation folge ich zunächst ein paar gemütliche Meter entlang der Westseite des Arnisees, doch dann wird’s gleich sportlich.

Der ausgeschilderte Weg durch den Grünwald ist richtig steil und bringt mich gehörig ins Schwitzen.
Immerhin spendet der dichte Wald angenehmen Schatten.
Im Zickzack führt mich der Bergwanderweg gekonnt über eine Steilstufe.
Ich folge dem Wegweiser zur Sunniggrathütte und zum Sunnig Grat. Vorbei an zwei kleinen Bergseen erreiche ich Punkt 2038 m, hier nehme ich den blau / weiss markierten Weg.

Der Charakter des Weges ändert sich zunächst kaum. In einem grossen Bogen führt er durch die Stockgruebe und dann Richtung Grossgand hinauf. Dabei habe ich den felsigen Gipfel des Ruchälplistocks bereits im Blick.

Beim Grossgand zieht der Verbindungsgrat nach Westen, bevor es ernster wird. Der gesamte Aufstieg zum Ruchälplistock ist gut markiert, sodass ein Versteigen praktisch ausgeschlossen ist. Abwechslungsreich führt die Route im steilen Gelände stetig höher.

Eine Rinne ist mit einem Seil versichert, nötig ist dessen Nutzung hier allerdings nicht. Es folgen einige Kraxelstellen sowie eine etwas luftigere Querung im steilen Gelände. Alle exponierten Abschnitte sind jedoch mit Stahlseilen gesichert.

Über mehrere Ecken hinweg führt mich die Route schliesslich zum Gipfelaufbau. Bis hierhin hat sich der Aufstieg für mich nicht besonders exponiert angefühlt (ca. T4+).

Auch wenn das Gipfelkreuz schon zum Greifen nah scheint, noch stehe ich nicht ganz oben. Der schwierigste Teil wartet noch und lässt mich kurz schlucken. Zunächst muss ich einige Meter in eine Scharte auf feinem, rutschigem Untergrund absteigen.

Dann stehe ich unter dem Gipfelblock:
Eine mit Kette versehene, äusserst steile Platte führt hinauf (T5). Dieser Abschnitt verlangt etwas Armkraft, und Mut. Im unteren Bereich sind kaum Tritte vorhanden. Ohne die Kette wäre hier für mich Schluss gewesen.
Ich hänge mich ein und beginne mich hochzuziehen, unbedachtes Loslassen ist keine Option!
Nach den ersten Metern wird es etwas einfacher: Es gibt nun klare Tritte und Griffe, was den Aufstieg deutlich erleichtert und kurze Erholungsmomente zulässt.

Mit einem gewissen Stolz erreiche ich das Gipfelkreuz und geniesse das sensationelle Panorama. Die Anspannung kann ich allerdings noch nicht ganz loslassen, schliesslich wartet auch der Abstieg. Der Blick entlang der Kette in die Tiefe ist, nun ja, besser nicht zu lange nachdenken. Hände an die Kette, volle Konzentration und vorsichtig geht es in umgekehrter Reihenfolge wieder hinunter. Kurz darauf stehe ich wieder auf sicherem Boden und bin überrascht, wie viel leichter mir der Abstieg gefallen ist.

Die grössten Schwierigkeiten liegen nun hinter mir. Der weitere Weg bleibt anspruchsvoll, ist aber deutlich einfacher. Eine grasige Rinne führt vom Gipfelbereich hinunter. Ein felsiger Aufbau wird rechterhand im steilen Gelände umgangen, auch hier helfen Seile. Der anschliessende Grat zum Jakobiger ist breiter und deutlich angenehmer zu begehen. Der Schlussaufstieg ist nicht markiert, aber gute Spuren führen steil, jedoch unschwierig, durch die Südflanke hinauf.

Oben geniesse ich meine Mittagspause und das herrliche Panorama. Immer wieder zieht der tiefblaue Leidsee unter mir sowie der dahinter liegende Krönten meinen Blick auf sich, einfach grossartig!

Der Abstieg vom Jakobiger ist ebenso unproblematisch wie der Aufstieg. Wenig später stehe ich am Leidseepass und folge der Beschilderung zur Leutschachhütte. Unterhalb des Chapferplanggenstocks wechselt der Pfad von der Nord auf die Suedseite. Einige Metallklammern und ein Stahlseil helfen dabei (T4).

Dann sind schlagartig alle Schwierigkeiten vorbei. Ich steuere die Leutschachhütte an, gönne mir ein kühles Getränk und ziehe weiter. Hinunter zum Niedersee, ein echter Blausee! Der tiefblaue Farbton ist einfach gigantisch.

Ich folge dem Wasserlauf in den Talkessel. Die ersten rund 400 Höhenmeter sind recht steil und ich bin froh um meine Wanderstöcke. Im Kessel angekommen wird das Gelände flacher und ich folge dem Leutschachbach zurück zum Arnisee und zur Gondelstation.

Daten:
- Schwierigkeit: T4 bis T5
- Zeit: ca. 8 Std.
- Höhenmeter: ↑ 1440 m , ↓ 1440 m