Schibegütsch 2037 m.ü.M. - Schrattenflue, das riesige Karstgebiet

Die Schrattenfluh ist eines der grössten Karrenfelder der Schweiz und ein Naturdenkmal von nationaler Bedeutung. Die einmalige Karstlandschaft rund um die markante Gipfelkette macht die Tour zu einem ganz besonderen Erlebnis.


8. November 2025
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Es geht nichts über die Magie der frühen Morgenstunden – deshalb soll es heute wieder einmal eine Sonnenaufgangstour geben. Um 04:45 Uhr starte ich am Parkplatz in Salwideli in Sörenberg.
Stirnlampe auf, und los geht’s! Der fast neue Mond erhellt die Nacht – ein tolles Erlebnis gleich zu Beginn.


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Ich folge dem ausgeschilderten Wanderweg durch einen kurzen Waldabschnitt talwärts nach Wagliseiboden. Anschliessend geht es auf einem sanft ansteigenden Fahrsträsschen weiter Richtung Alp Schlund.
Ein entspannter Toureneinstieg – perfekt, um warm zu werden und richtig wach zu werden.


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Nach der Alp Schlund folge ich dem Strässchen noch etwa einen Kilometer talwärts. Auf halbem Weg zweigt rechts ein Bergweg ab, der direkter zum Grat der Schrattenfluh führt. Ich sehe bereits meinen ersten Gipfel und kann den Tourenverlauf erkennen.


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Nun wird es zunehmend steiler, und auf rund 1700 m erreiche ich den Schnee. Das Szenario eine Stunde vor Sonnenaufgang ist einfach genial. Bei einer Kreuzung muss ich mit Fantasie den Weg suchen, da die Markierungen unter dem Schnee liegen und keine Spuren von Vorgängerinnen oder Vorgängern vorhanden sind.
Also gehe ich direkt den Hang hinauf – oben finde ich bestimmt wieder Markierungen.


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Oben auf einer kleinen Ebene finde ich den Weg tatsächlich wieder. Meine Erfahrung hat mich richtig geführt.
Nun sehe ich den gesamten Wegverlauf zum Gipfel. Das Gelände wird anspruchsvoller – der Schnee ist pickelhart.
Mehrere Querungen im steilen Gelände mit Absturzgefahr stehen an. Ich ziehe meine Grödel an – sie geben super Halt und zusätzlich mentale Sicherheit.


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Weiter geht’s. Der Gipfel rückt immer näher und das Gelände wird wieder einfacher. Für den Sonnenaufgang am Gipfel bin ich heute zu spät – die Wegfindung und Schneebedingungen haben etwas Zeit gekostet.


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Jetzt ist es soweit – der Tag erwacht! Wundervoll! Das frühe Aufstehen lohnt sich.
Diese 5 Minuten vor und nach Sonnenaufgang sind unvergesslich:

  • beobachten, hinter welchen Gipfeln die Sonne aufgeht
  • der Moment, in dem es passiert
  • die vielen Farben des Himmels
  • sehen, wie die Sonne immer höher steigt
  • spüren, wie sie den Körper wärmt
  • die rasch steigenden Temperaturen
  • Berge, die nacheinander von der Sonne angeleuchtet werden

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Weiter geht’s – das Gipfelkreuz ist bereits sichtbar. Über einen kleinen Aufschwung und einen aussichtsreichen, teilweise ausgesetzten Grat erreiche ich den Gipfel. Keine 30 Minuten nach Sonnenaufgang stehe ich oben.
Ich geniesse das wundervolle Ambiente – ein Kaffee vom Gaskocher darf natürlich nicht fehlen.


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Ich folge dem Gratweg Richtung Hengst. Während die Flanken der Schrattenfluh im Südosten sanft ansteigen, fallen sie im Nordwesten steil ab – ein imposanter Kontrast. Der Weg führt knapp unterhalb des Grates zum Türstenhäuptli. Immer wieder treffe ich auf Schneefelder, die dank Sonneneinstrahlung weich werden. In vielen Tourenberichten steht, man müsse aufpassen, nicht in tiefe Karstlöcher zu fallen. Das ist meiner Meinung nach übertrieben und betrifft vor allem den Abschnitt vom Hengst im Abstieg.


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Vom Türstenhäuptli zum Hengst ist der Grat komplett grasig und unproblematisch, trotz Schneefeldern. Mit einigen Auf- und Abstiegen sammelt man nochmals Höhenmeter. Kurz darauf der letzte Aufschwung – und ich stehe auf dem Hengst.


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Nun beginnt der gefürchtete und berüchtigte Abstieg über die Karrenfelder. Zunächst geht es hinunter ins Heidenloch. Der Abstieg im Schnee ist mühsam – viele Löcher liegen unter der Schneedecke verborgen.


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Jetzt bin ich mitten in den Karrenfeldern. Jeder Schritt muss sitzen, um nicht auf die scharfkantigen Felsen zu treten. Manchmal fühle ich mich hier wie ein Anfänger und denke:
Was mache ich hier eigentlich?
Nach knapp einer Stunde ist der Abschnitt geschafft – ich bin erleichtert und froh, wieder auf einfachem Gelände zu stehen. Im Nachhinein ein tolles Erlebnis, auch wenn ich zwischendurch genug hatte.


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Nach der hochkonzentrierten Passage tut das gemütliche Auslaufen auf dem Kiessträsschen zur Alp Schlund gut.
Jetzt geht es entspannt zurück zum Ausgangspunkt.


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Schwierigkeiten:

  • Aufstieg Schibegütsch: T3 (unter heutigen Bedingungen T4)
  • Grat Schibegütsch – Türstenhäuptli – Hengst: T3
  • Abstieg Hengst: T3

Bemerkungen:
Das Gelände ist geprägt von tiefen Karrenfeldern, Schluchten und scharfkantigen Felsen. Tiefe Karstlöcher können gefährlich werden. Zu dieser Jahreszeit muss man mit hartem Schnee rechnen – im steilen Gelände kann das heikel sein.


Zeiten:
Salwideli – Schibegütsch: 3 Std.
Schibegütsch – Türstenhäuptli – Hengst: 2 Std.
Hengst – Karrenfelder – Salwideli: 3 Std.


Höhenmeter:
Aufstieg: 1070 hm
Abstieg: 1071 hm