Rigi 1798 m.ü.M - über die Arschbagge mit luftigem Aufstieg

Die Rigi bietet auch Alpintouren weit weg von den Besuchermassen. Heute zeige ich euch eine interessante und sehr lohnende Aufstiegsroute zur Rigi über die Nordwestrippe, von den Einheimischen auch „Arschbagge“ genannt. Die Route führt mich von der schattigen Seebodenalp zum sonnigen Rigi Kulm.


10. Juni 2023
2


Als ich beim Parkplatz auf der Seebodenalp starte, bin ich komplett alleine – ich beginne meine Tour erst am späten Nachmittag. Ich folge dem Wegweiser „Holderen“ auf dem Fahrweg bergwärts. Schon nach der ersten Linkskurve verlasse ich den offiziell markierten Wanderweg. Ich folge der Weide bis in die rechte obere Ecke. Dort befindet sich sogar ein Durchlass im Zaun für die mittlerweile deutlich sichtbare Wegspur. Ich komme in den Wald und passiere die Hütte am Ronenboden. Der Weg wendet sich jetzt bergwärts und steigt rasch an.


3


Die erste Nagelfluhkette zeigt sich, die ich noch problemlos durchsteigen kann.


4


Weiter geht es steil bergwärts, bis schliesslich Ketten den Einstieg zur Schlüsselstelle der heutigen Tour markieren – der im Volksmund „Arschbagge“ genannten Nagelfluhwand. Die Arschbagge ist fast so glatt wie ein Kinderpopo.


5


Die Ketten mit den Kugeln, die ein Abrutschen verhindern, sind wirklich toll. Es macht richtig Spass – ich sehe, die Nagelfluh ist wirklich rutschig, obwohl es seit Tagen trocken ist. Ich schaue mir schon mal an, wo ich am besten meine Tritte setze.


6


Ich brauche zwei Anläufe, bis ich schliesslich eine Route finde, auf der meine Sohlen einigermassen Halt haben. Kurzer Kraxelspass im T5-Gelände – sehr ausgesetzt. Solange es mir in diesem Gelände Spass macht und ich mich sicher fühle, kann ich solche Passagen gut meistern. Den Ketten muss man wirklich Vertrauen schenken – es geht etwa 15 Meter fast senkrecht hinauf. Ein kurzer Blick hinunter in den freien Fall … krasse Sache.


7


Weiter oben ist das Spektakel schon wieder vorbei – ich setze mich auf dem Bänkli am Tristenboden. Ich geniesse die Aussicht und grinse in die Welt hinaus. Was für ein Gänsehautmoment auf der Arschbagge! Jetzt geht es frei weiter Richtung Gipfel. Ab und zu öffnet sich der Blick auf den im Sonnenlicht glänzenden Fernmeldeturm.
Das Gelände wird nun einfacher – die Tiefblicke bleiben aber eindrücklich.


8


Bei einer Querung, die hartnäckige Tiefblicke bietet, helfen Ketten. Hier hat sich jemand einen Spass erlaubt und einen Wasserhahn in den Fels eingebaut – ohne Wasser und ohne Anschluss.


9


Weiter passiere ich noch einmal eine – harmlose – versicherte Stelle und erreiche östlich des Gipfels den Grat.


10


Nun stehe ich auf der Rigi. Ich geniesse den Sonnenuntergang und die fantastische Aussicht.
Den Abstieg nehme ich im Dunkeln über den einfachen Touristenweg zurück zu meinem Ausgangspunkt.


11


Schwierigkeiten:

  • Aufstieg bis zur Arschbagge: T2–T3
  • Arschbagge: T5
  • Nach der Arschbagge – Rigi: T4
  • Abstieg Rigi – Seebodenalp: T1–T2

Im Aufstieg befinden sich mehrere Nagelfluhbänder, die mit griffigen Fixseilen gesichert sind. Das unterste Band – zugleich das höchste und anspruchsvollste – ist beim Einstieg oft nass und führt ziemlich exponiert rund 15 Meter in die Höhe. Die übrigen Nagelfluhbänder sind deutlich einfacher. Orientierung: Mittel. Die Tour verläuft grösstenteils auf unmarkierten Pfaden. Diese sind zwar deutlich sichtbar, aber zur besseren Orientierung in den Bändern empfiehlt sich ein GPS mit Offline-Karte oder zumindest ein Höhenmesser. Sehr gut beschrieben ist der Wegverlauf im SAC-Tourenportal.


12


Zeiten:
Seebodenalp – Arschbagge – Rigi: ca. 3 Std.
Rigi - Seebodenalp: 2 Std.


Höhenmeter:
Bergauf: 800 hm
Bergab: 800 hm