7 auf einen Streich
Von der Idee, die sieben Churfirsten an einem Tag zu besteigen, bin ich fasziniert, seit ich diesen Bericht der Toggenburger Seven Summits gesehen habe.
Es ist verrückt, aber ich liebe es, bis ans Limit zu gehen.
Mein Plan - von Westen nach Osten:
- Selun (2205 m ü. M.)
- Frümsel (2263 m ü. M.)
- Brisi (2279 m ü. M.)
- Zuestoll (2235 m ü. M.)
- Schibenstoll (2234 m ü. M.)
- Hinterrugg (2306 m ü. M.)
- Chäserrugg (2262 m ü. M.)
Am 18. September 2020 ist es so weit.
Ich wusste: Für dieses Vorhaben muss ich sehr fit sein. Deshalb trainiere ich vom Anfang des Jahres bis in den Herbst hinein intensiv, damit ich bereit bin für diese Herausforderung.
1. Selun – der Gemütliche

AUFSTIEG:
Start um 4.00 Uhr in Starkenbach beim Parkplatz.
Der Selun ist einfach, T2. Zum Einstieg genau das Richtige, nicht zu steil, nicht zu flach.
Nach 1315 Höhenmetern erreiche ich den Selun auf 2205 m ü. M.
Oben am Gipfel genieße ich den Sonnenaufgang. Ich mache nur kurz Pause, denn es liegt noch ein sehr, sehr langer Tag vor mir.
Ankunft: 8.00 Uhr
Distanz: ca. 6 km
Aufstieg: total 1315 Hm
ABSTIEG/QUERUNG:
Beim Abstieg weiß ich, dass es eine Abkürzung zum nächsten Gipfel gibt, allerdings habe ich viele schlechte Berichte darüber gelesen. Mal schauen …
Die Rinne (die Abkürzung) ist im oberen Teil so stark mit großblättrigem Bewuchs überwachsen, dass man die Steine darunter nicht mehr sehen kann. Knochenbrechergelände, nach 20 oder 30 Metern gebe ich auf. Eine weitere Möglichkeit auf etwa 1950 Metern erscheint mir ebenfalls heikel: nass und rutschig.
Also muss ich, entgegen meines Plans, bis auf den Rücken oberhalb der Alp Chalttal absteigen und von dort zur Alphütte auf ca. 1700 m ü. M. queren.
2. Frümsel – der Steile

AUFSTIEG:
Der Aufstieg zur steilen Gipfelrampe des Frümsels ist sehr angenehm, sodass mich der Höhenverlust nur kurz wurmt.
Der Frümsel ist unschwierig, aber steil (T3). Gleich zu Beginn der Rampe bewältige ich eine recht steile Passage, schwieriger wird es danach nicht mehr. Der Weg bleibt jedoch bis oben hin steil.
Das Gefühl der Ausgesetztheit ist am gesamten Berg und besonders am Gipfel des Frümsels (2267 m ü. M.), deutlich stärker als am Selun.
Oben angekommen gönne ich mir eine Viertelstunde Pause, dann geht es weiter.
Ankunft: 10.00 Uhr
Distanz: ca. 10 km
Aufstieg: total 1865 Hm
ABSTIEG/QUERUNG:
Die Querung eines steilen Schneefeldes bringt mich ins Tal zwischen Frümsel und Brisi auf ca. 1840 m ü. M. Das ausgedehnte Karrenfeld ist einfacher zu durchqueren, als es zunächst aussieht, man muss nur ein wenig auf den schmalen, aber griffigen Rippen balancieren.
3. Brisi – der Schöne

AUFSTIEG:
Bald stosse ich auf den ziemlich zugewachsenen Wanderweg, der zur Scharte zwischen Frümsel und Brisi hinaufführt. Diesem nach links folgend erreiche ich schnell und unschwierig, wenn auch recht mühsam, den Abzweig am Fuss des Brisi.
Der Brisi ist ein wunderschöner Berg, bewachsen mit kleinen Büschen und vor allem vielen bunten Blumen. Dazwischen stehen immer wieder grosse Felsblöcke, zwischen denen sich der Weg hinaufschlängelt. Eine wundervolle Landschaft und ein Anstieg mit ganz eigenem Charakter, wie eigentlich jeder der Churfirsten.
Der Weg zum Gipfel ist etwas steiler als der zum Selun, aber nicht schwerer, T2 würde ich sagen.
Oben angekommen: Brisi, 2279 m ü. M.
Während einer längeren Gipfelrast mache ich Bekanntschaft mit einem Paar aus Winterthur. Unglaublich nett! Sie berichten mir von den kommenden Gipfeln und wünschen mir viel Erfolg.
Danke euch – das hat geholfen!
Ankunft: ca. 12.45 Uhr
Distanz: ca. 13 km
Aufstieg: total 2215 Hm
ABSTIEG/VERBINDUNGSWEG:
Nach 13.00 Uhr geht es wieder hinunter. Am Fuss des Brisi folge ich noch eine Weile dem Wanderweg bis ca. 1750 m ü. M., quere dann an geeigneter Stelle in den Sattel zwischen Zuestoll und dem nördlich vorgelagerten Rüggli.
Ich entscheide mich gegen den beschriebenen Gipfelanstieg in der Westflanke, weil mir der Zeitverlust über den Normalweg zu gross ist.
4. Zuestoll – der Raue

AUFSTIEG:
Im Sattel zwischen Zuestoll und Rüggli (1847 m ü. M.) stosse ich bald und problemlos auf den Wanderweg zum Zuestoll.
Der Berg zeigt sich sofort von seiner felsigen Seite. Über erste leichte Felsstufen helfen schmale Metalltritte. Sobald ich aus dem Buschwerk heraus bin, geht es über eine steile Grasrampe nach oben. Diese wird nach oben hin schmaler, bis ich an einem felsigen Gratzacken stehe, der überkraxelt werden muss.
Über die letzte Rampe erreicht man den Gipfelaufbau, der über eine letzte felsige und steile, aber nicht stark ausgesetzte, Kraxelstelle gewonnen wird. Hier hilft nochmals ein Drahtseil.
Der Zuestoll ist zweifellos, mit etwas Abstand zum Frümsel, der schwierigste der Churfirsten. T4 ist sicher nicht übertrieben.
Noch die letzten Meter und ich stehe am Zuestoll auf 2235 m ü. M.
Lange halte ich mich nicht auf. Nur ein paar Kletterer, die von der Walenstädter Seite heraufkommen, bewundere ich kurz.
Ankunft: ca. 15.00 Uhr
Distanz: ca. 16 km
Aufstieg: total 2715 Hm
ABSTIEG/QUERUNG:
Dann geht es wieder hinunter auf demselben Weg, auf dem ich aufgestiegen bin, bis auf etwa 1750 Meter.
5. Schibenstoll – der Langwierige

AUFSTIEG:
Der erste Krampf, mein Gott … ich schreie. Die inzwischen rund 3000 Höhenmeter machen sich deutlich bemerkbar. Ich esse kurz etwas dagegen, dann geht es weiter.
Der Berg kommt mir sehr steil vor. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass ich die Tour nun deutlich in den Beinen spüre. Zügig geht es die Rampe hinauf, dann durchsteige ich an geeigneter Stelle die Felswand, die mich die ganze Zeit zur linken Seite begleitet.
Der Gipfelhang wird nach oben hin flacher, sodass ich den Gipfel erst spät erkenne, doch wenige Minuten später stehe ich am Schibenstoll auf 2236 m ü. M.
Ankunft: ca. 17.00 Uhr
Distanz: ca. 19 km
Aufstieg: total 3265 Hm
ABSTIEG/QUERUNG:
Vom Gipfel aus sehe ich wunderbar in die Westflanke des Hinterruggs. Dort erwartet mich ein weniger steiler, dafür recht langer Anstieg.
Mit frischem Mut mache ich mich an den Abstieg. Am Fuss des Schibenstolls angekommen, geht es auf Trittspuren um die steile Nordwand herum. Anschließend kämpfe ich mich durch Gestrüpp, weiter über Block- und Geröllfelder ins Gluuristal, wo ich wieder auf den Wanderweg treffe.
6. Hinterrugg – der Langweilige

AUFSTIEG:
Der Weg zum Hinterrugg ist zwar eher unspektakulär, aber in meinem Zustand gerade richtig. Er zieht sich unheimlich, ist jedoch nicht besonders steil, was recht erholsam ist.
Um 19.00 Uhr stehe ich auf Gipfel Nummer 6, dem Hinterrugg auf 2306 m ü. M.
Für mich ist der Hinterrugg der emotionale Höhepunkt der Tour: der letzte große Anstieg, ein herrliches Gefühl!
Und nicht zuletzt die Aussicht!
7. Chäserrugg – der Unmerkliche

QUERUNG:
Der Chäserrugg ist in zehn Minuten über einen leicht abfallenden Weg erreicht, ein echtes Gipfelerlebnis bleibt jedoch aus.
Ich habe es tatsächlich geschafft!
MEINE GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG – über 3800 Höhenmeter Aufstieg!
JAAAAAAAAAA!!!!!
Ankunft: ca. 19.10 Uhr
Distanz: ca. 24 km
Aufstieg: total 3800 Hm

Alle 7 Churfirsten an einem Tag ✔️
ABSTIEG

Nachdem ich mir am Chäserrugg eine ausführliche Pause gegönnt habe, mache ich mich an den Abstieg. Der Weg über das Gasthaus Stöfeli und die Alp Sellamatt nach Alt St. Johann ist dankenswerterweise nicht sehr steil.

- Schwierigkeiten: bis T4-Passagen
- Wichtig: genug Essen und Trinken
- Zeit: 16 Stunden
- Höhenmeter: ⬆️ 3883 m ⬇️ 3845 m
- Gipfel: Selun, Frümsel, Brisi, Zuestoll, Schibenstoll, Hinterrugg, Chäserrugg

THE END