Ich liebe grosse Tagesetappen, deshalb habe ich wieder einmal eine komplett verrückte Idee:
Von Nunningen nach Olten zu laufen. Aufgeteilt in drei Etappen:
- Etappe: Nunningen, Vogelberg, Langenbruck, 5–6 Std.
- Etappe: Langenbruck, Hägendorf, 2.5 Std.
- Etappe: Hägendorf, Teufelsschlucht, Belchenflue, Olten, 5 Std.
Ergibt ca. 13–14 Std., plus Pausen.
Mein Ziel: Dies an einem Tag zu meistern.

Wecker klingelt! Raus aus den Federn …
Ich habe riesige Vorfreude und bin voller Energie, ich kann es kaum erwarten!
Stirnlampe an, Rucksack auf den Rücken, Haustüre zu und loooos!
Im Dorfzentrum geht es zum Lättenrain. Ab hier schon einmal die erste Duftmarke der Höhenmeter, die ich heute absolvieren werde. Vorbei beim Standort des Fasnachtsfeuers.

Steil geht es aufwärts, weiter in den Wald hinein, wo ein Uhu mir einen guten Morgen wünscht. Herzlichen Dank!
Ich nehme ein paar Abkürzungen, die nicht auf der Karte eingezeichnet sind. Als einheimischer Nunniger kenne ich hier und da unsere schönen Wälder sehr gut. Schnell bin ich am Riedbrgwegli und folge dem Weg zum Berghaus Stierenberg.

Nun über Alpwiesen den Hang hinauf. Auf der anderen Seite, in dieser hügeligen Umgebung, gehe ich wieder hinunter zur Ulmethöchi. Siehe da, was für ein Sonnenaufgang, der perfekte Moment! Dank des Saharastaubs noch etwas spezieller.

Ich folge den Forst- und Waldwegen ohne grösseren Höhenverlust bis zu einer Kreuzung, wo der Übergang zum Berghaus Vogelberg auf mich wartet. Am Berghaus gehe ich vorbei, ohne einen Kaffeehalt einzulegen, es ist leider noch geschlossen. Aber auch gut so, da ich meine Pausen gut einteilen muss. Die Stimmung in dieser Landschaft, diese Ruhe an diesem Morgen, ohne das Geschwafel anderer Leute, ist einfach genial.

Ich wandere südlich am Chellenchöpfli vorbei, auf Wegen, die nicht mehr so oft begangen werden.
Auf dem Solothurner Waldhöhenweg folge ich weiter bis zum Bauernhof Hintere Hauberg. Dort verlasse ich den Waldhöhenweg und steige via Bilsteinberg über einen steilen Grashang auf.

Es geht weiter über den Grat. Es ist echt hartnäckig, das viele Laub und die Wurzeln im steilen Abstieg sind heute wie Glatteis, Vorsicht ist geboten, meine Knie schlottern!
Der Weg zieht sich … Geschafft! Ich bin beim Oberen Hauenstein.
Ab hier sind es noch 5 Minuten nach Langenbruck.
1. Etappe erreicht

Jetzt mache ich erst einmal Pause. Ich sehe bei den Wegweisern, bis nach Hägendorf sind es 2.5 Stunden, und wir haben gleich 12.00 Uhr. Meine Gedanken sind, ist die Tour doch viel zu viel? Übertreibe ich es wieder einmal? Egal, weiter geht’s. Über hügeliges Gelände, Forststrassen und Waldwege nach Bärenwil und Hägendorf.
2. Etappe erreicht

Bei der Teufelsschlucht bin ich angekommen, schon 8 Stunden in den Beinen, noch 5 Stunden bis Olten. Jetzt kommt der längste Aufstieg des Tages, satte 800 Höhenmeter bis zur Belchenflue. Dem Cholersbach entlang hinein in die Teufelsschlucht. Viel Wasser führt heute der Bach und kreiert entsprechend zahlreiche hübsche Impressionen, Bachläufe, Höhlen und mystische Schluchtstimmungen wechseln sich beinahe im Minutentakt ab.

Über Brücken geht es immer bergauf, vorbei an schönen Wasserfällen und Felsen. Bei der Faszination der Schlucht merke ich gar nicht, dass es ständig aufwärts geht und ich doch schon viele Kilometer und Höhenmeter in den Beinen habe.

Der letzte Schluchtabschnitt wirkt weniger spektakulär, aber weiterhin sehr faszinierend und fast schon kitschig.
Am Ende der Schlucht gehe ich über einen Fahrweg und Grashänge zum Allerheiligenberg hinauf.

Ansteigend führt der Weg durch den Wald mit leichten Gegenanstiegen zur Gwidemhöchi. Ab hier geht es über Treppen und Stufen auf die Belchenflue. Von hier oben bietet sich eigentlich ein fantastischer Ausblick über die Vogesen, den Schwarzwald, das Mittelland und die Alpen. Aber dank des Saharastaubs ist die Aussicht etwas getrübt. Ich geniesse dennoch die Atmosphäre des Sonnenuntergangs. Kurze Pause, ein kleiner Snack. Mit frischen Kräften geht es in den Abstieg.

Runter durch Wälder und Wiesen, am General-Wille-Haus vorbei zur Homberglücke. Ich halte noch einmal an einem Bänkli an, ich habe doch recht harte Plattfüsse. Ich wechsle die Socken, das hilft meistens. Jetzt ziehe ich die Stirnlampe an, es wird immer dunkler.

Die letzten Meter nach Olten ziehen sich. Meine Gedanken sind überwältigt. Ich kann kaum glauben, dass ich diese Riesentour geschafft habe. Kurz vor der Stadt habe ich die 40 km erreicht, und bin am Ziel.
3. Etappe erreicht

Daten:
Schwierigkeit: Wanderwege T1 bis T3
Zeit: 14 Stunden
Höhenmeter: ⬆️ 1890 m ⬇️ 2111 m
Distanz: 40.8 km