Der Piz Muragl liegt im Oberengadin und ist von Muottas Muragl mit vernünftigem Aufwand erreichbar. Der Gipfel wird im Sommer eher selten besucht und ist über weite Strecken weglos erreichbar. Ab dem Lej Muragl ist die Landschaft sozusagen eine Steinwüste bis zum Gipfel.
6. Juli 2026
Mein Startpunkt ist Muottas Muragl (2454 m).
Ab hier beginnt der schöne und einfache Weg zum Lej Muragl (2715 m).
Nun beginnt der ziemlich weglose Teil. Meine Informationen zu diesem Gipfel sind ziemlich rar und ich habe fast keine Informationen gefunden. Also heisst es für mich: ausprobieren und nötigenfalls umdrehen.
Am Lej Muragl (2715 m) geht es rechts am See vorbei Richtung Piz Muragl. Zuerst folge ich einer schwachen Spur flach dahin, danach geht es weglos ins Tal.
Dem braunen Geröll Richtung Piz Clüx folgend, steige ich über grosse Felsblöcke im ziemlich steilen Gelände auf.
Ich halte mich dabei ziemlich an die Falllinie. Bei meinen Recherchen habe ich gelesen, dass ich beim oberen See auf etwa 2900 m links vorbeigehen muss.
Ich bin laut meiner Uhr bereits auf 3000 m.
Hmmm ... wo ist der See?!?!
Ich weiss es nicht. Ich überlege sogar umzudrehen! Den Gipfel und das Kreuz kann ich zwar sehen, aber es wirkt auf mich ziemlich schwierig und exponiert. Ich mache erst einmal eine Pause und überlege.
Während der Pause entscheide ich mich, etwas weiter nach rechts zu gehen, um den See vielleicht doch noch zu entdecken.
Und siehe da, der See!
Jetzt sieht die Route plötzlich sehr vielversprechend aus.
Nun kann ich die Route eindeutig besser erkennen und lesen. Links am See vorbei steige ich zwischen den Felsen hindurch, um die Felswand oberhalb zu umgehen.
Nun muss ich das steile Geröllfeld in einer Querung durchsteigen. Es ist ziemlich kräftezehrend. Ich überlege erneut umzudrehen, aber der Wille, diesen Gipfel zu erreichen, ist grösser als der mühsame Weg.
Nach dem langen Geröllfeld erreiche ich einfacheres Gelände. Jetzt stehen sogar wieder Steinmännchen. Von hier geht es deutlich einfacher weiter, aber nach wie vor über Geröll. Die letzten Meter zum Gipfelkreuz gehe ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
Oben angekommen erwartet mich eine unglaubliche Aussicht.
Noch viel grösser ist für mich aber der Wille, dieses Ziel erreicht zu haben! Dieses Gefühl, den Gipfel trotz aller Zweifel doch noch erreicht zu haben, lässt sich kaum in Worte fassen. Man muss es selbst erleben!
Der Abstieg erfolgt auf derselben Route wie der Aufstieg, diesmal jedoch auf der richtigen Linie. Im losen Gestein ist höchste Konzentration gefragt.

Schwierigkeiten:
• Muottas Muragl – Lej Muragl (Auf- und Abstieg): T2
• Lej Muragl – Piz Muragl (Auf- und Abstieg): T4

Fazit:
Eine ziemlich einsame und verlassene Tour und genau das macht für mich den besonderen Reiz des Bergsteigens aus!!!